Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind immens. Einerseits bestehen aufgrund des demografischen Wandels zunehmende Fachkräfteengpässe. Ob Ingenieure, Facharbeiter, Ärzte oder Pflegekräfte - in vielen Branchen und Regionen Niedersachsens fehlen bereits heute gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die enorme Lücke, die sich vor allem bei der qualifizierten Arbeit weiter öffnen wird, ist in vielen Unternehmen schon spürbar und der Bedarf wird weiter steigen. Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den Wohlstand zu erhalten, müssen daher alle notwendigen Maßnahmen zur Verbreiterung der Fachkräftebasis ergriffen werden.
Aber es gibt auch eine andere Seite: Noch immer gibt es viel zu viele Arbeitslose. Insbesondere Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte haben nach wie vor große Schwierigkeiten in Beschäftigung zu kommen. In welchem Teil Deutschlands Frauen oder Männer auch leben und welchen Alters sie auch sind: Immer liegen die Arbeitslosenquoten der Geringqualifizierten deutlich über denen der beruflich Qualifizierten und erst recht über dem Niveau der Akademiker.
Das aber bedeutet, es besteht eine Situation, in der langfristige Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel gleichzeitig auftreten. Daraus leitet die neue Landesregierung zwei klare Schwerpunkte für die künftige Arbeitsmarktpolitik ab: Der eine ist das Feld der Fachkräftesicherung, wo es deutlich zuzulegen gilt. Gleichzeitig müssen für die am Arbeitsmarkt bislang benachteiligten Menschen Lösungen entwickelt werden. Sie dürfen nicht länger ausgegrenzt werden.
- Fachkräftesicherung
Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs wird die neue Landesregierung eine Fachkräfteinitiative starten und in einer verbindlichen Kooperation mit allen maßgeblichen Arbeitsmarktpartnern ein Fachkräftesicherungskonzept für Niedersachsen entwickeln und umsetzen. Wichtige Hebel liegen dabei in einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in einer stärkeren Einbindung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch gutes betriebliches Gesundheitsmanagement und Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung.
Zudem wird die Landesregierung
weiter die Qualifizierung und Integration von Menschen ohne Arbeit fördern. Dadurch lässt sich gleichzeitig die Fachkräftebasis verbreitern. Mit der offensiven Nutzung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente ist auch der Spaltung des Arbeitsmarktes entgegenzuwirken.
die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt durch Qualifizierung und Anerkennung von Berufsabschlüssen verbessern.
durch eine Willkommenskultur die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften besser fördern.
die Entwicklung und Sicherung des Fachkräftepotenzials vor allen in den Regionen vorantreiben. Junge und qualifizierte Menschen, die aus ihren Regionen abwandern, schwächen die dortige Fachkräftebasis. Die Landesregierung wird daher Initiativen für regionale Fachkräftebündnisse ergreifen und ihre dortige Verankerung unterstützen.
- Aktive Arbeitsmarktpolitik
Die neue Landesregierung steht für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und eine entschlossene Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Aktive Arbeitsförderung leistet einen Beitrag für sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze, verbessert den sozialen Zusammenhalt und wirkt der Spaltung des Arbeitsmarktes entgegen. Dabei hält die Landesregierung auch den Ausbau öffentlicher Beschäftigung für notwendig, um langzeitarbeitslose Menschen ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt wieder in Arbeit zu bringen. Dafür sind auch die bisher passiven Leistungen des Arbeitslosengeldes zu aktivieren.
Weiterbildung und soziale Stabilisierung sind wichtig, um Langzeitarbeitslosigkeit frühzeitig zu verhindern und um eine nachhaltige Reintegration in das Arbeitsleben zu begleiten. Um dieses zentrale Ziel der Arbeitsförderung zu erreichen, wird die Landesregierung Modellprojekte unter Einbindung der regionalen Arbeitsmarktakteure initiieren.
Die Landesregierung wird
ein arbeitsmarktpolitisches Konzept entwickeln und im Dialog mit allen Arbeitsmarktpartnern umsetzen, das mit zielgenauer Arbeitsförderung die Erwerbschancen für alle verbessert und sichert. Schwerpunkt wird dabei die Qualifizierung und Beschäftigung von Arbeitslosen und Beschäftigten sein.
vor allem für benachteiligte Personengruppen den Zugang zum Arbeitsmarkt verbessern. Das betrifft insbesondere junge Menschen ohne Berufsabschluss, Alleinerziehende und Berufsrückkehrerinnen, arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose, Menschen mit Migrationsgeschichte und ältere Menschen.
gemeinsam mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern jungen Erwachsenen ohne Ausbildung durch gezielte Unterstützung Ausbildungs- und Berufsperspektiven eröffnen. Sie wird ein Programm „Zweite Chance" für junge Menschen ohne Berufsabschluss auflegen und die hohen Abbrecherquoten in der Ausbildung senken.
Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf besser unterstützen, indem die Berufs- und Studienorientierung in den allgemeinbildenden Schulen flächendeckend ausgebaut wird und Jugendlichen, die innerhalb der Dualen Ausbildung kein Ausbildungsangebot finden, ein passendes Angebot machen.
Die künftige Arbeitsmarktpolitik der neuen Landesregierung orientiert sich am Leitbild der „Guten Arbeit" und am Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit".
Ziel ist es, prekäre Beschäftigung in Niedersachsen zurück zu drängen. Die Landesregierung wird in Niedersachsen und im Bundesrat entsprechende Gesetzesinitiativen starten bzw. unterstützen für
- faire Löhne und einen gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde,
- Regulierung der Leiharbeit, um auch dort Dumpinglöhne zu verhindern,
- Begrenzung von befristeten Arbeitsverhältnissen,
- gesetzliche Verankerung des Anspruchs auf Weiterbildung und
- Stärkung der Rechte von Betriebs- und Personalräten.
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