Der Begriff Zeitarbeit stammt aus den Anfängen der Branche in Deutschland. Bei Einführung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) war die "maximale Überlassungsdauer von Leiharbeitnehmern" auf 3 Monate befristet. Diese wurde später verlängert bzw. ganz aufgehoben. Überlassene Leiharbeitnehmer können somit - theoretisch - unbegrenzt lange von der gleichen Zeitarbeitsfirma als Verleiher an den gleichen Kundenbetrieb als Entleiher überlassen werden.
Mittlerweile sind Leiharbeitskräfte in allen Branchen und mit allen Qualifikationen vertreten, im kaufmännischen als auch im gewerblichen Bereich. Ausgenommen sind Betriebe des Bauhauptgewerbes, in welche laut AÜG nicht überlassen werden darf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund geht davon aus, dass von den 556.202 im Jahr 2006 beschäftigten Zeitarbeitern etwa 69.000 zusätzlich Arbeitslosengeld II bezogen. Bei 94 Prozent der Empfänger dieser staatlichen Unterstützung handelt es sich um Vollzeitbeschäftigte (Pressemeldung des DGB 09.04.2007: PM 057).
Der deutsche Zeitarbeitsmarkt ist stark fragmentiert. Die Zahl der Unternehmen wird auf über 7.000 geschätzt. Deutschland gilt in der Zeitarbeitsbranche als Entwicklungsland: In Deutschland ist nur etwa 1 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. In den Niederlanden sind es laut dem Weltverband der Zeitarbeitsbranche CIETT ca. 2,5 Prozent, in England ca. 5 Prozent, in Frankreich ca. 2,1 Prozent.
In Deutschland betrug der Inlandsumsatz der 5 größten Personaldienstleister 2006 laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit über 3,2 Milliarden Euro. Die Branchenriesen in dem Bereich - Randstad, persona service, Adecco und Manpower - teilen sich rund 30% des Marktes.
Die quantitative Erfassung der Zeitarbeitsbranche in Deutschland fällt schwer. Zwar wird die Beschäftigungsentwicklung im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassungsstatistik von der Bundesagentur für Arbeit zweimal pro Jahr veröffentlicht, doch gibt es keine Erhebung auf regionaler oder lokaler Ebene. In den meisten Statistiken liegen häufig keine Unterteilungen dritter Ordnung vor, so dass die Zeitarbeit nur selten als eigenständige Branche zu identifizieren ist.
Die Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung verspüren wie schon im gesamten letzten Jahr einen gewaltigen Schub durch die steigende gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Sie verzeichnen die beste Geschäftslage seit sechseinhalb Jahren. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als "gut" bewerten, hat sich vom Herbst letzten Jahres (72 Prozent) leicht auf 73 Prozent erhöht. Lediglich fünf Prozent der Agenturen beurteilen ihre Lage als "schlecht". Als unternehmensnahe Dienstleister spüren die Zeitarbeitsfirmen den Sog der Exportwirtschaft, aber auch binnenwirtschaftliche Kräfte unterstützen aktuell den Trend zu mehr Zeitarbeit. 54 Prozent der Betriebe erwarten bessere Geschäfte in den nächsten Monaten, im Herbst waren es 40 Prozent. Die Zeitarbeitsbranche ist weiterhin der Jobmotor der Dienstleistungsbranche. Die Unternehmen bekunden die besten Einstellungspläne seit Herbst 2000. Die Unternehmen geben vor allem Fachkräftemangel als Hinderungsgrund für ihre Geschäftstätigkeit an (Quelle: DIHK-DIENSTLEISTUNGSREPORT Frühjahr 2007).
Einer Prognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge beträgt das Wachstumspotential bis zum Jahr 2010 rund 21 %.
Die im Spätherbst 2006 verabschiedete europäische Dienstleistungsrichtlinie wird nach Ansicht von Experten zunächst kaum Auswirkungen auf die Unternehmen der Zeitarbeitsbranche haben. Internationale Zeitarbeitsgesellschaften sind seit Jahren auf dem deutschen Markt zu finden, ohne dass eine besondere Gefährdung der heimischen Anbieter zu sehen wäre. Eine etwas andere Situation kann sich jedoch ergeben, wenn den EU-Bürgern der neuen Aufnahmeländer der freie Zugang zu den Arbeitsmärkten gestattet wird. Ab diesem Zeitpunkt gibt es verschiedentlich Ansichten über existenzgefährdende Veränderungen ("Billigkräfte, die weniger als die Zeitarbeit kosten!") auf dem Arbeitsmarkt.
Perspektiven
Der Aufwärtstrend in der Arbeitnehmerüberlassung wird sich auch in Zukunft weiter fortsetzen. Für Firmen ist Zeitarbeit zunehmend zum Instrument geworden, um beim Personal beweglich zu reagieren. Zusätzlich hat die Einführung von Branchentarifverträgen für eine deutliche Imageverbesserung der Zeitarbeit gesorgt. Auch die Einführung eines Mindestlohnes für die Zeitarbeitsbranche findet dabei die Zustimmung der Arbeitgeber. Mehr und mehr Arbeitnehmer sehen in der Zeitarbeit eine interessante berufliche Alternative und die Chance, auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Noch immer jedoch hinkt die Zeitarbeit in Deutschland dem europäischen Standard hinterher.
Der Marktanteil privater Arbeitsvermittler und Personalberater wird auch in Zukunft weiter steigen. Zum einen sind die Bemühungen der Arbeitsagenturen, mehr Arbeitslose in ein Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln, bislang ohne greifbaren Erfolg geblieben, zum anderen ist der aus der Personalsuche resultierende Zeitaufwand für Unternehmen heute kaum mehr zu bewältigen; sie werden mit Bewerbungen überschüttet, haben aber trotzdem große Probleme, Bewerber mit den notwendigen Qualifikationen zu finden.
Ansprechpartner
Herr Michael Kasten, Tel. 0511/120-5572
Herr Christian Mohr, Tel. 0511/120-5593