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Plenum 18. Mai 2017 - Mündliche Anfragen

Frage 2: Neue Chancen der Energiewende - niedersächsisch-japanisches Großspeicherprojekt in Varel


Abgeordnete Gerd Will, Dr. Gabriele Andretta, Frank Henning, Matthias Möhle, Stefan Klein, Ronald Schminke und Sabine Tippelt (SPD)

Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr namens der Landesregierung

Vorbemerkung der Abgeordneten

Am 19. März 2017 hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies am Rande der Computermesse CeBIT mit Vertretern der japanischen Wirtschaftsförderorganisation NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) und des Oldenburger Energieunternehmens EWE ein Memorandum of Understanding (Absichtserklärung, MOU) zur Errichtung eines hybriden Energiespeichers in Varel unterzeichnet.

Vorbemerkung der Landesregierung

Mit dem Fortschritt der Energiewende wird die Stromerzeugung zunehmend durch kleine, dezentrale und fluktuierende erneuerbare Erzeugungsanlagen bestimmt. Um jederzeit Erzeugung und Verbrauch in Einklang bringen zu können, bedarf es einer weitgehenden Flexibilisierung aller Bestandteile des Energiesystems. Ein unverzichtbares Element eines künftigen Energiesystems sind Energiespeicher, die notwendige Systemdienstleistungen übernehmen können und so einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der hohen Versorgungssicherheit Deutschlands leisten.

Der Nordwesten Niedersachsens ist bereits heute durch einen hohen Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien geprägt und damit das ideale Testfeld für den Einsatz neuer Technologien. Insofern steht diese Region auch im Mittelpunkt des mit rund 50 Mio. Euro vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projektes „enera“, bei dem das Energienetz in den Landkreisen Aurich, Friesland und Wittmund sowie der Stadt Emden innerhalb von vier Jahren unter anderem mit intelligenten Messsystemen und Energiespeichersysteme ausgestattet werden soll. Ziel ist die optimale Ausnutzung der Windenergie und optimale Auslastung des Netzes, unabhängig von Windstärken und Tageszeiten.

1. Was wird in Varel entstehen?

In Varel entsteht ein sogenannter hybrider Batteriespeicher, dessen Eignung als Lieferant von Systemdienstleistungen untersucht werden soll. Der Batteriespeicher besteht aus einer Kombination einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Leistung von 7,5 MW und einer Kapazität von 2,5 MWh sowie einer Natrium-Schwefel-Batterie mit einer Leistung von 4 MW und einer Kapazität von 20 MWh. Der Speicher vereint dabei die Vorteile der schnellladenden Lithium-Ionen-Zellen mit dem hohen Energieinhalt eines Natrium-Schwefel-Speichers und ist damit vielseitiger einsetzbar als separate Einzelsysteme. Der Platzbedarf des Speichers, der Ende 2018 betriebsbereit sein soll, beträgt rund 4.000 m² und hat damit annähernd die Größe eines kleinen Fußballfeldes. Die japanische Wirtschaftsförderungsorganisation – NEDO – fördert den Beitrag der japanischen Unternehmen mit rund 24 Mio. Euro.

2. Warum interessieren sich japanische Unternehmen dafür, dieses Projekt in Niedersachsen zu realisieren?

Japan als Land mit vielen Hochtechnologie-Lieferanten strebt mit diesem Projekt an, die Technologie in Zukunftsmärkten zu demonstrieren. Für den Einsatz modernster Batterietechnik wurde Deutschland durch den großen Fortschritt bei der Gestaltung der Energiewende als Leitmarkt identifiziert. Niedersachsen als das Energieland Deutschlands mit einem überdurchschnittlichen Anteil regenerativer Energieerzeugung insbesondere im Nordwesten wurde dabei als Pionierregion identifiziert. Diese Region erlaubt die bestmögliche Demonstration der japanischen Batterietechnologie. Darüber hinaus bietet das Schaufensterprojekt „enera“ beste Möglichkeiten an der Entwicklung neuer Anwendungen partizipieren zu können. Des Weiteren trägt die große internationale Strahlkraft des enera-Projektes stark zur Erreichung der Ziele des japanischen Konsortiums bei mit dieser Technik-Demonstration neue Geschäftsfelder zu entwickeln.

3. Was könnte sich daraus entwickeln - für Niedersachsen und für die Energiewende?

Niedersachsen ist der Vorreiter für den weltweit stattfindenden Transformationsprozess der Energiesysteme. Was in Niedersachsen geeignet ist, zum Gelingen der Energiewende beizutragen, kann als Blaupause für einen weltweiten Einsatz gelten und bietet damit erhebliche Chancen für die niedersächsische Wirtschaft sowie den hiesigen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus bietet sich die Chance, weitere wirtschaftliche Unternehmungen aus dem Ausland von den Vorteilen des Wirtschafts- und Forschungsstandortes Niedersachsen zu überzeugen.

Minister Olaf Lies spricht im Niedersächsischen Landtag, Fotograf: Thiemo Jentsch  

Minister Olaf Lies spricht im Niedersächsischen Landtag

Artikel-Informationen

22.05.2017

Ansprechpartner/in:
Pressesprecher: Christian Haegele und Sabine Schlemmer-Kaune

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