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Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen

Wir wollen, dass geflüchtete Menschen möglichst frühzeitig an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

Gegenüber dem Bund haben wir uns gemeinsam mit anderen Bundesländern erfolgreich für wichtige Erleichterungen der rechtlichen Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende und Geduldete eingesetzt. Wesentliche Länderforderungen hat der Bund zuletzt mit dem Integrationsgesetz" umgesetzt. Auf dieser Grundlage hat die Niedersächsische Landesregierung entschieden, dass seit August 2016 die sog. Vorrangprüfung für zunächst 3 Jahre ausgesetzt wird. Seitdem können Unternehmen freie Stellen zügig auch mit Asylsuchenden und Geduldeten besetzen, ohne dass abzuwarten ist, ob lt. Prüfung der Arbeitsagentur bei der Stellenbesetzung bevorrechtigte Deutsche oder EU-Ausländer zu berücksichtigen sind.

Zum Ausbau einer lückenlosen Förderkette für die Zielgruppe haben wir ferner in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktpartnern aus der „Fachkräfteinitiative Niedersachsen" und dem Bündnis "Niedersachsen packt an" vielfältige Maßnahmen und Initiativen ergriffen, die die Integrationsangebote des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundesregierung sowie die von den Arbeitsagenturen und Jobcentern ausgeführten gesetzlichen Arbeitsförderinstrumente ergänzen:


Netzwerkarbeit und Zusammenarbeit an den Schnittstellen

Nach Ansicht der Landesregierung erfordert eine möglichst schnelle und erfolgreiche Arbeitsmarktintegration eine enge Kooperation aller verantwortlichen Stellen und möglichst reibungslose Übergänge an den Schnittstellen. Die Kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen, die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit und das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr haben deshalb mit Praktikern der örtlichen Ebene gemeinsame Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit an diesen Schnittstellen erarbeitet. Ziel ist der flächendeckende Aufbau örtlicher Steuerungs- und Koordinierungskreise und die Schaffung verbindlicher Strukturen der Zusammenarbeit vor Ort.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gesellschaftliche Integration und die Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt ist der Erwerb der deutschen Sprache. Trotz des großen Engagements aller Beteiligten fehlt es oftmals vor Ort an einem Gesamtüberblick über die verschiedenen Programme, an Transparenz über die örtlichen Bedarfe und an einer abgestimmten Zugangssteuerung in die Kurse. Daher haben sich die beteiligten Partner darüber hinaus zu besseren Koordinierung der Sprachförderung auf „Gemeinsame Empfehlungen zur Koordinierung der Sprachförderung auf regionale Ebene " (aktualisierte Anlagen 1 und 2 ) verständigt. Die gemeinsamen Empfehlungen sollen in erster Linie zur Intensivierung der Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Institutionen vor Ort dienen.

Frühzeitige Dokumentation berufsrelevanter Kompetenzen und Erstorientierung

Zur Erstaufnahme von Flüchtlingen bestehen die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deutschlandweit eingerichteten Ankunftszentren" - in Niedersachsen in Bad Fallingbostel (Landkreis Heidekreis) und Bramsche (Landkreis Osnabrück). In den Ankunftszentren wird ein Integriertes Flüchtlingsmanagement" durchgeführt, das neben der Registrierung und ärztlichen Untersuchung auch die Asylantragstellung und Arbeitsmarktinformationen durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) umfasst. Dabei sieht die BA eine Erstdokumentation beruflicher Kompetenzen für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive vor, die über die bundesweite BA-EDV allen Arbeitsagenturen und Jobcentern am späteren Aufnahmeort für die weitere Arbeitsmarktberatung und Vermittlung zur Verfügung steht.


Zur Erstorientierung von Asylsuchenden in Deutschland setzt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen das BAMF-Förderprogramm "Erstorientierung und Wertevermittlung für Asylbewerber" um. In diesen Erstorientierungskursen erhalten Asylsuchende wesentliche Informationen über das Leben in Deutschland und erwerben gleichzeitig erste Deutschkenntnisse. Eine Liste der aktuellen regionalen Kursangebote ist beim BAMF veröffentlicht.

Unterstützung des allgemeinen und berufsbezogenen Deutsch-Spracherwerbs

Der Erwerb allgemeiner Deutschsprachkenntnisse erfolgt für Flüchtlinge i.d.R. im Rahmen der deutschlandweit vom BAMF koordinierten "Integrationskurse". Diese umfassen einen Sprachkurs und einen Orientierungskurs, in dem grundlegende Informationen zur deutschen Rechtsordnung sowie zum Alltag und zu den Werten des Zusammenlebens in Deutschland vermittelt werden. Ziel des Sprachkurses ist das Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen, mit dem eine klare Standardsprache in den Bereichen Persönliches/Familie, Arbeit und Freizeit ermöglicht wird.

Daneben bietet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur u. a. im Bereich der Erwachsenenbildung seit Oktober 2015 umfangreiche Sprachlernangebote für Flüchtlinge an, die von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung koordiniert werden.

Im Bereich der berufsbezogenen Sprachförderung ist auf die vom BAMF bundesweit koordinierten Kursangebote aus der Berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a des Aufenthaltsgesetztes hinzuweisen. Diese ist Bestandteil des "Gesamtprogramms Sprache" der Bundesregierung zur Sprachförderung von Migranten und baut auf den allgemeinsprachlich ausgerichteten o.g. "Integrationskursen" auf. Eine Liste der zugelassenen Kursträger ist beim BAMF veröffentlicht.

Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Anerkennung von Auslandsqualifikationen
Unter den aufgenommenen Flüchtlingen befindet sich ein hoher Anteil junger Menschen, für die gute Chancen zur Arbeitsmarktintegration über eine Berufsausbildung bestehen. Zur Orientierung insbesondere jüngerer Flüchtlinge über mögliche Ausbildungsgänge setzen wir einen Schwerpunkt zur Berufsorientierung in Handwerksberufen: Im Zeitraum vom 01.11.2015 bis zum 31.01.2019 fördern wir dazu mit rund 2,9 Mio. € aus Landesmitteln das "Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)" zur Nachwuchssicherung im Handwerk, das von allen sechs regionalen Handwerkskammern in Niedersachsen gemeinsam durchgeführt wird. Ziel ist die Gewinnung und Vorbereitung von interessierten jüngeren Flüchtlingen auf eine Handwerksausbildung. Die IHAFA-Förderung ist ausgerichtet auf Maßnahmen zur Berufsorientierung, Eignungsfeststellung, Vermittlung in Praktika und Ausbildung sowie auf Beratung für interessierte Handwerksunternehmen.

Das landesweite „Sprach- und Integrationsprojekt SPRINT" des Niedersächsischen Kultusministeriums kombiniert Sprachförderung und Berufsorientierung. Zusätzlich wurde auch das Projekt "SPRINT-Dual" erarbeitet, eine 6 bis 9 monatige Maßnahme für jugendliche Flüchtlinge zur Vorbereitung auf eine betriebliche Ausbildung.

Für Flüchtlinge, die bereits über berufliche Abschlüsse und Berufserfahrungen verfügen, kann eine formale Anerkennung ihrer Qualifikationen in Betracht kommen. Erstberatung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse leistet das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung (IQ) Niedersachsen" mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Umfassende Auskünfte zu vielfältigen Fragen der Anerkennung ausländischer Abschlüsse bietet darüber hinaus das beim Bundesinstitut für Berufsbildung eingerichtete mehrsprachige Informationsportal "Anerkennung in Deutschland".


Flankierende Maßnahmen für Unternehmen und Multiplikatoren

Neben der personenbezogenen Arbeitsmarktförderung von Flüchtlingen unterstützen wir zur Absicherung des Fachkräftebedarfs auch Unternehmen und regionale Arbeitsmarktakteure als Multiplikatoren, damit die Betriebe Fachkräfte, Studierende, Auszubildende und Praktikanten aus dem Ausland mit und ohne Fluchthintergrund noch stärker in ihrer Personalrekrutierung berücksichtigen können und Unsicherheiten abgebaut werden.

Dazu fördern wir im Zeitraum vom 01.06.2018 bis zum 31.05.2020 unterstützten mit rd. 80.000 Euro aus Landesmitteln die Zentrale Beratungsstelle Ausländer/-innen und Fachkräftesicherung (ZBS AuF)" beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V als Informationsangebot zu rechtlichen und praktischen Fragen rund um die Ausbildung und Beschäftigung von Zuwanderinnen und Zuwanderern.

Darüber hinaus unterstützen wir die Unternehmen in Niedersachsen gezielt bei der Ansprache von Flüchtlingen zur Nachwuchsgewinnung und der innerbetrieblichen Integration in Praktika, Ausbildung und Beschäftigung. Dafür fördern wir im Zeitraum April 2017 bis Juli 2019 landesweit 24 Modellprojekte "Überbetriebliche Integrationsmoderatorinnen und -moderatoren " mit rd. 3 Mio. Euro aus Landesmitteln. Die Projekte haben jeweils eine Laufzeit von 2 Jahren.

Angesichts besonderer ortsspezifischer Herausforderungen des sozialen und ökonomischen Strukturwandels unterstützen wir am Standort Salzgitter im Zeitraum vom 01.12.2017 bis zum 30.11.2019 ferner das Vorhaben "MigrantInnen im Modellprojekt Integrationscoaching - MiMIC".


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