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Deutscher Gießereitag 2026: Minister Tonne fordert entschlossene Industriepolitik für Gießerei-Standort Deutschland

Hohe Energiekosten, zunehmend unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt, und abnehmende Verfügbarkeit von Schrotten setzen die deutsche Gießerei-Industrie massiv unter Druck. Vor diesem Hintergrund ist die Branche am 20. und 21. Mai beim Deutschen Gießereitag 2026 in Göttingen zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) stehen die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland sowie die Frage, unter welchen Bedingungen energieintensive Industrieproduktion in Deutschland und Europa erhalten werden kann.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne betonte in seinem industriepolitischen Impuls die strategische Bedeutung der Branche für industrielle Wertschöpfung und wirtschaftliche Souveränität: „Die Lage der Gießerei-Industrie ist ernst. Viele Unternehmen stehen unter enormem Druck durch hohe Energiepreise, unfairen internationalen Wettbewerb, zunehmenden Protektionismus und gleichzeitig enorme Transformationsanforderungen. Dabei reden wir über eine Branche, die am Anfang zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten steht und unverzichtbar für Fahrzeugbau, Maschinenbau und viele weitere industrielle Anwendungen ist. Wenn wir industrielle Kernkompetenz in Deutschland erhalten wollen, dann müssen wir jetzt die richtigen politischen Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Tonne.

Die Gießerei-Industrie fordert insbesondere dauerhaft wettbewerbsfähige Energiekosten, einen wirksamen Schutz vor Carbon Leakage, fairere internationale Wettbewerbsbedingungen sowie eine praxistaugliche Umsetzung von Umwelt- und Genehmigungsrecht. Konkret setzt sich die Branche unter anderem für einen international wettbewerbsfähigen Industriestrompreis, die Absicherung von Strompreiskompensation und Netzentgeltentlastungen sowie stärkere handelspolitische Schutzinstrumente gegen Dumpingimporte ein. Zudem fordert sie, dass öffentliche Investitionsprogramme und Ausschreibungen stärker zur Unterstützung heimischer und möglichst emissionsarmer Industrieproduktion genutzt werden.

Tonne unterstützte zentrale Forderungen nach verlässlichen industriepolitischen Rahmenbedingungen: „Industriepolitische Resilienz entsteht nicht von allein. Wer von Unternehmen Investitionen in moderne, klimafreundlichere Produktion erwartet, muss gleichzeitig dafür sorgen, dass diese Investitionen am Standort Deutschland wirtschaftlich tragfähig bleiben. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiekosten, faire Marktbedingungen und eine Regulierung mit Augenmaß. Es darf nicht passieren, dass industrielle Wertschöpfung schrittweise aus Europa verdrängt wird, während anderswo unter deutlich niedrigeren Standards produziert wird.“

Bereits im April fand der Niedersächsische Gießereidialog in Baddeckenstedt statt. Dort hat Minister Tonne mit Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Verbänden und Gewerkschaften ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet, in dem diese zentralen Forderungen gebündelt wurden.

Die Branche verweist auf deutliche Strukturverluste in den vergangenen Jahren. Zwischen 2018 und 2025 sank die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Gießerei-Industrie von 80.000 auf 61.500, die Produktion ging von 5,5 auf 3,3 Millionen Tonnen zurück. Deutschlandweit umfasst die Branche rund 500 Betriebe mit etwa 61.500 Beschäftigten und einem Umsatz von 13,1 Milliarden Euro. In Niedersachsen gibt es rund 30 Gießerei-Unternehmen mit einem Branchenumsatz von etwa einer Milliarde Euro.

Dr. Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des BDG: „Der Besuch von Minister Tonne auf dem Deutschen Gießerei Tag hat für unsere Branche Signalkraft weit über Niedersachsen hinaus. Die Gießerei-Industrie ist für einen starken Industriestandort Deutschland essentiell. Um sie zu erhalten, braucht es gemeinsame Kraftanstrengungen, um auf verbesserte Rahmenbedingungen hinzuwirken. Die Unterstützung des Landes Niedersachsen, wie sie auch im Niedersächsischen Gießerei-Dialog und an der Teilnahme am Nationalen Gießerei-Dialog in Berlin am 10. Juli zum Ausdruck kommt, ist dabei von großer Bedeutung.“

Der Deutsche Gießereitag 2026 steht unter dem Leitmotiv „Standort unter Druck – Gießereien im Strukturwandel“. Erwartet werden Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik. Themen der Veranstaltung sind unter anderem Energiepreise, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Transformation der Industrie sowie neue industriepolitische Strategien für Deutschland und Europa.


Artikel-Informationen

erstellt am:
20.05.2026

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