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Neues Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber

Wirtschaftsministerium, Handwerkskammern, Bundesagentur für Arbeit und Landkreise starten Modellprojekt

Minister mit Mohsen Rezaie

Minister Olaf Lies mit dem Auszubildenden Mohsen Rezaie aus Afghanistan im Förderungs- und Bildungszentrum Hannover. Mohsen Rezaie absolviert derzeit eine Ausbildung als Karosseriebauer. Foto: Oßwald

„Das Projekt hat das Potenzial einer echten Win-Win-Situation. Mit der Förderung des ‚Integrationsprojektes Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)' leisten wir im Rahmen der Fachkräfteinitiative Niedersachsen einen gezielten Beitrag zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses im niedersächsischen Handwerk. Zugleich starten wir einen neuen Baustein unserer Arbeitsmarktförderung für Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Flüchtlinge." Mit diesen Worten gab Wirtschaftsminister Olaf Lies heute den Startschuss für das neue Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber, das von Land, Handwerkskammern, Bundesagentur für Arbeit und den Landkreisen finanziert wird.

Im Rahmen des Projektes können ab dem 1. November Asylsuchende und Flüchtlinge in allen sechs niedersächsischen Kammerbezirken auf Handwerksausbildungen im Ausbildungsjahr 2016/2017 vorbereitet werden. Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr unterstützt das Modellprojekt mit rund 1,1 Mio. Euro. Hinzu treten teilnehmerbezogene Ausgaben, die aus Fördermitteln der Arbeitsagenturen und Jobcenter, der Handwerkskammern sowie der Landkreise erbracht werden. Projektkoordinator ist die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Ersten Schätzungen zufolge können von dem Projekt an die 500 junge Asylbewerber und Flüchtlinge profitieren.

Der Vorsitzende der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, Peter Voss, verwies auf vorliegende gute Erfahrungen von Ausbildungsbetrieben mit motivierten Flüchtlingen. Es komme jetzt darauf an, zu handeln und die Chancen zu nutzen, die mit der Zuwanderung verbunden sind. Das vereinbarte Projekt sei bundesweit einmalig und werde durch die Bildungsstätten der Handwerkskammern in ganz Niedersachsen umgesetzt.

Klaus Stietenroth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen: „Ich bin froh, dass sich mit dem Wirtschaftsministerium, den Handwerkskammern, den Landkreisen und der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen starke Projektpartner zusammengefunden haben, um Flüchtlingen den Zugang in eine duale Ausbildung zu ebnen. Wir wissen, dass viele junge Menschen aus den Kriegs- und Krisenländern möglichst schnell einen Job annehmen möchten. Aber vielen fehlen Voraussetzungen - neben der Sprache auch Qualifikationen -, um den direkten Sprung in einen Betrieb zu schaffen. Unser gemeinsames Projekt bietet hier passgenaue Unterstützungen: angefangen von der Kompetenzerfassung über Beratung zu Förder-möglichkeiten bis hin zum Coaching während der ersten Monate der Ausbildung. Ziel ist, die Flüchtlinge zu den Fachkräften von übermorgen zu machen."

„Aus kommunaler Sicht ist die Arbeitsintegration der Flüchtlinge und Asylbewerber die zentrale Aufgabe, damit eine Integration in die örtliche Gemeinschaft und soziale Teilhabe erreicht werden kann", ergänzte Verdens Landrat Peter Bohlmann als Sprecher der kommunalen Jobcenter. Die Kommunen müssten umfassende Lasten bewältigen, so Bohlmann weiter, deshalb sei eine enge Zusammenarbeit der Akteure am Arbeitsmarkt unumgänglich. Die kommunalen Jobcenter seien auf enge Verzahnung der Leistungen mit den Arbeitsagenturen angewiesen, aber auch die übrigen Kommunen würden in den gemeinsamen Einrichtungen direkt Einfluss auf die Integrationsmaßnahmen nehmen. „Wir begrüßen das Integrationsprojekt als wichtigen Baustein und werden nach Kräften daran mitwirken. Erfreulich ist außerdem, dass anlässlich dieses Projektes eine engere Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit und dem Regionalen Einkaufszentrum der Bundesagentur möglich geworden ist", so Landrat Bohlmann abschließend.

Angesichts der Herausforderungen, Flüchtlinge und Asylbewerber in den Arbeitsmarkt zu integrieren, unterstrich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit der Arbeitsmarktpartner sei. Gute Erfolgsaussichten bestünden dann, wenn alle Schritte gut aufeinander abgestimmt seien, sagte Lies. So ergänze das neue IHAFA-Projekt das im Juli 2015 von Land und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit gestartete Projekt ‚Kompetenzen erkennen. Gut ankommen in Niedersachsen'. Im Rahmen des Projektes werden berufliche Potenziale und Kompetenzen von Asylsuchenden und Flüchtlingen bereits frühzeitig an den Standorten Bramsche, Braunschweig, Friedland und Osnabrück der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen erfasst. Die Daten werden in die EDV der Bundesagentur für Arbeit aufgenommen und stehen dann allen regionalen Arbeitsagenturen sowie den Jobcentern und Kommunen für die nächsten Schritte der Arbeitsmarktintegration vor Ort zur Verfügung. In den Monaten Juli bis September 2015 konnten so bereits mehr als 400 Kompetenzprofile dokumentiert werden. Die für August und September 2015 verfügbaren Auswertungen der personenbezogenen Merkmale zeigen, dass rund dreiviertel der befragten Personen unter 35 Jahren alt sind und dass sich unter den Befragten auch Personen mit handwerklichen Berufserfahrungen und Vorqualifikationen befinden.

„Ausdrücklich bitte ich das Handwerk, die Arbeitsagenturen, Jobcenter und kommunalen Behörden, die Kompetenz-Profile, die im Rahmen des Projektes ‚Kompetenzen erkennen. Gut ankommen in Niedersachsen'erhobenen werden, gezielt zur Teilnehmerauswahl für das IHAFA-Projekt zu nutzen", so Minister Lies.

Abschließend betonte Minister Lies die große Herausforderung, die die Integration der rund 80.000 im Jahr 2015 in Niedersachsen erwarteten Asylsuchenden und Flüchtlinge auch künftig bedeute: „Nach den Erhebungen aus dem Projekt ‚Kompetenzen erkennen. Gut ankommen in Niedersachsen' verfügen die befragten Personen nahezu über keine Deutschkenntnisse. Weniger als 15 Prozent gaben formale Berufsabschlüsse an. Daher werden wir gemeinsam mit allen Partnern der Fachkräfteinitiative Niedersachsen auch weiterhin einen langen Atem benötigen, um die bei uns Schutz suchenden Asylsuchenden und Flüchtlinge nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dennoch bringen auch diese Menschen Talente und Motivation mit. Deshalb gilt: Je früher wir damit beginnen, diese Menschen an Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit heranzuführen, desto eher helfen wir ihnen, ihre Existenz unabhängig von Transferleistungen zu bestreiten, und desto eher können sie als wertvolle Fachkräfte auch in niedersächsischen Betrieben zu Wachstum und Wohlstand beitragen."


Ansprechpartnerinnen für die Presse:

Sabine Schlemmer-Kaune

Pressesprecherin

Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Friedrichswall 1

30159 Hannover

Telefon 0511 120-5426

E-Mail: sabine.schlemmer-kaune@mw.niedersachsen.de


Sonja Markgraf

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Niedersächsischer Landkreistag (NLT)

Am Mittelfelde 169

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Tel.: 0511 87953-11

mobil: 0172 3596871

E-Mail: markgraf@nlt.de


Brigitte John-Psaroudakis

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Anja Schmiedeke

Leiterin Presse und Marketing

Bundesagentur für Arbeit

Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen

Telefon: 0511 9885-1300

Telefax: 0511 9885-7111

Mobil: +49 (0)160 5879 498

E-Mail: Niedersachsen-Bremen.PresseMarketing@arbeitsagentur.de

Anlagen - Statisitk und Leitfaden 'Kompetenzen erkennen':

PK Kompetenzen erkennen

Minister Olaf Lies mit Auszubildenden Mohsen Rezaie und v.l. Peter Voss, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN)und Jans-Paul Ernsting, Geschäftsführer Handwerkskammer Hannover. Foto: Oßwald

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