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Gasleitung in Voigtei

Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 23.03.2012 - TOP 37. Antwort von Wirtschaftsminister Jörg Bode auf die mündliche Anfrage des Abgeordneten Grant Hendrik Tonne (SPD)


Der Abgeordnete Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte gefragt:

Am 7. März 2012 stellten das Landesbergamt und der niedersächsische Wirtschaftsminister Bode die Ergebnisse einer Untersuchung des LBEG vor, wonach sämtliche in Niedersachsen tätigen Unternehmen der Erdöl- und Erdgasbranche (u. a. ExxonMobil Production Deutschland GmbH) bis Ende Februar 2012 durch Sachverständige nachweisen mussten, dass die eingesetzten Kunststoffrohrleitungen für den Transport von Lagerstättenwasser den Beanspruchungen standhalten.

Hintergrund war ein Vorfall im Frühjahr 2011 im Raum Söhlingen (Landkreis Rotenburg/Wümme), bei dem erhöhte Konzentrationen unter anderem von Benzol im Erdreich festgestellt worden sind.

Den Ergebnissen zufolge müssen 22 Polyethylenrohrleitungen stillgelegt werden.

Zeitgleich erfuhr die Öffentlichkeit eher zufällig von einem Schadensvorfall an Rohrleitungen der ExxonMobil in Voigtei (Gemeinde Steyerberg). Berichten zufolge sei es zu dem Vorfall bereits eine Woche vor dem 7. März 2012 gekommen, gemeinsam wollen sich die dafür Verantwortlichen entschieden haben, die Öffentlichkeit nicht zu informieren.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Was genau für ein Schaden ist zu welchem Zeitpunkt entstanden, und kam es hierbei zu Verunreinigungen des Bodens und/oder des Wassers, wenn ja, in welchem Umfang?
  2. Welche weiteren Schadensfälle sind der Landesregierung im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Erdöl- und Erdgasunternehmens ExxonMobil in Niedersachsen bekannt (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
  3. Wo befinden sich die 22 stillgelegten PE-Rohrleitungen genau, und befinden sich Rohrleitungen nach wie vor im Betrieb, bei denen es in früherer Zeit zu Schadensvorfällen gekommen ist?
Wirtschaftsminister Jörg Bode beantwortete die Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:

Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hat gemeinsam mit dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) im Rahmen der Landespressekonferenz vom 07. März 2012 über die Ergebnisse und die Folgen einer Überprüfung von erdverlegten Kunststoffrohrleitungen der niedersächsischen Erdöl- und Erdgasunternehmen informiert. Grundlage dieser Überprüfung war eine Anordnung des LBEG, nach der die Unternehmen bis Ende Februar 2012 für erdverlegte Kunstoffrohrleitungen einen erweiterten Eignungsnachweis unter besonderer Berücksichtigung von Diffusion und Permeation erbringen mussten oder andernfalls die Leitungen außer Betrieb zu nehmen hatten. Im Ergebnis wurden von den Unternehmen 22 Leitungen stillgelegt.

In diesem Zusammenhang hat die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) unter anderem eine Rohrleitung zum Transport von Erdölgas im Raum Voigtei (Flecken Steyerberg) von einem unabhängigen Sachverständigen untersuchen lassen. Hierzu wurden an vier Stellen Bodenuntersuchungen (Schürfe) vorgenommen, wobei an drei Schürfen sowie einer Beprobung des zulaufenden Wassers keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen nachgewiesen wurden. An einem Schürf ergaben die Untersuchungen im Nahbereich der Rohrleitung erhöhte BTEX- und Benzol-Konzentrationen, wobei nach Beurteilung des Sachverständigen die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutzverordnung jedoch nicht erreicht wurden und damit keine Gefahr für Boden und Grundwasser vorlag. Da die EMPG dem LBEG bis Ende Februar keinen erweiterten Eignungsnachweis vorgelegt hat, war die Leitung stillzulegen.

Die Stilllegung der angesprochenen Rohrleitung und auch die diesbezüglichen Begleitumstände hat das LBEG im Rahmen der Landespressekonferenz vom 07. März 2012 bekanntgegeben. Zwischen LBEG und EMPG als Betreiber der Rohrleitung fand keine Abstimmung über die Information der Öffentlichkeit statt. Es haben allerdings Gespräche über die Rohrleitung und die Umweltrelevanz der bereits beschriebenen Feststellungen und deren Folgen stattgefunden.

Die EMPG ist einschließlich ihrer Rechtsvorgänger seit mehr als 50 Jahren in Niedersachsen im Bereich der Erdöl- und Erdgasgewinnung tätig. Die in diesem Zeitraum eingetretenen Schadensfälle können nicht ohne manuelle Durchsicht der am LBEG vorhandenen Akten festgestellt werden. Dies wäre mit einem erheblichen Aufwand verbunden, der zur Beantwortung der Kleinen Anfrage nicht leistbar ist. Aus diesem Grund bleibt die Antwort der Landesregierung im Sinne der Anfrage auf Schadensfälle an erdverlegten Rohrleitungen beschränkt, die mit einer Freisetzung größerer Mengen von gefährlichen Stoffen in Boden, Grundwasser oder Gewässer verbunden waren.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1.:
Ein aus dem Betrieb von Rohrleitungen bekanntes Schadensereignis, wie zum Beispiel ein Totalversagen der Rohrleitung oder ein offenes Leck, ist an der Erdölgasleitung nicht eingetreten. Dies zeigen die Ergebnisse der regelmäßigen Druck- und Dichtheitsprüfungen durch Sachverständige, bei denen keine Auffälligkeiten beobachtet wurden. Aus diesem Grund ist nach derzeitigem Kenntnisstand Diffusion bzw. Permeation als mögliche Schadensursache in Betracht zu ziehen. Da es sich hierbei um einen stetigen Vorgang handelt, ist eine exakte zeitliche Einordnung des Schadenseintritts nicht möglich.

Die genaue Ausdehnung der Verunreinigung wird gegenwärtig ermittelt.

Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung verwiesen.

Zu 2.:
Neben dem in der Anfrage bereits benannten Vorfall an einer Rohrleitung der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) im Raum Voigtei sind nach derzeitigem Stand der Aktenrecherche in den letzten 5 Jahren folgende Schadensereignisse mit wassergefährdenden Stoffen dokumentiert:

Jahr

Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen

(bundesweit1)

Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen

(EMPG)

wassergefährdender Stoff

(EMPG)

Ursache

(EMPG)

2007

2211

3

Lagerstättenwasser, Nassöl

Korrosion metallischer Anlagenteile, sonstige Materialursache

2008

2203

2

Nassöl, Lagerstättenwasser

Korrosion

2009

2313

4

Lagerstättenwasser, Reinöl

Korrosion metallischer Anlagenteile, sonstige Materialursache

2010

2460

2

Lagerstättenwasser

Materialschaden, sonstige Materialursache

2011

Keine Angaben

7

Lagerstättenwasser, Nassöl

Defekte Dichtung, Korrosion, Mängel an Armatur

1 Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung verwiesen.

Zu 3.:
Die 22 stillgelegten Rohrleitungen aus Kunststoff befinden sich im Erdgasfeld Hengstlage der EMPG im Landkreis Oldenburg und im Erdgasfeld Völkersen der RWE Dea AG im Landkreis Verden sowie im Erdölfeld Voigtei der EMPG im Landkreis Nienburg. Diese Rohrleitungen werden nach derzeitigem Kenntnisstand nicht wieder in Betrieb genommen. Sofern es in der Vergangenheit an Rohrleitungen zu lokalen Schäden (z.B. Korrosion oder Beschädigung durch Dritte) kam, wurden diese nach ordnungsgemäßer Sanierung und Reparatur auch wieder in Betrieb genommen.

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erstellt am:
23.03.2012

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