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KBS 123 - Heidebahn

Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 07.10.2010 - TOP 31. Antwort von Verkehrsminister Jörg Bode auf die mündliche Anfrage des Abgeordneten Dieter Möhrmann (SPD)


Der Abgeordnete Dieter Möhrmann (SPD) hatte gefragt:

Der Bahnverkehr auf der Kursbuchstrecke 123, Heidebahn, ist in seiner Vertaktung im Norden auf die Zugfolge des Metronom aus und in Richtung Hamburg abzustellen, im Süden ist er auf die Gleiskapazitäten des Hauptbahnhofes Hannover angewiesen. Nach einem Schreiben der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen an den Landtagsabgeordneten Dieter Möhrmann müssen die Züge der Heidebahn in Hannover zwischen Ankunft und Abfahrt im einzig zur Verfügung stehenden östlichen Wendegleis abgestellt werden. Dieses Wendegleis wird zeitgleich auch von den in Hannover endenden Zügen der S-Bahn-Linie S 4 Bennemühlen–Hannover beansprucht, die von Fahrgästen in Richtung Hannover genutzt werden, wenn die Heidebahnzüge in Bennemühlen enden.

Bis Ende 2008 war dies uneingeschränkt möglich, da die Nutzlänge des Gleises für die Züge der Heidebahn und einen S-Bahn-Triebwagen ausreichend war. Seit Ende 2008 verkehren die Züge der S-Bahn-Linie 4 mit zwei Triebwagen, sodass in den Zeiten, in denen die Züge der S-Bahn in Hannover enden, die Züge aus der Heide aufgrund der eingeschränkten Nutzlänge des Wendegleises nicht mehr wenden können. Dies ist dann nur noch zur vollen Stunde möglich, wenn die S-Bahn-Züge der Linie 4 nach Hildesheim weiterfahren.

Daher wurde der Fahrplan der Heidebahn um 30 Minuten verschoben mit der Folge, dass in Buchholz die Züge des schnellen Metronom nicht erreicht werden, der ohne Halt bis Hamburg-Harburg fährt. Die Landesnahverkehrsgesellschaft schlägt zwei Varianten der Abhilfe vor: Entweder muss die Heidebahn durch Auflassung von Haltepunkten beschleunigt werden, oder es muss eine Standzeit in Soltau einkalkuliert werden.

Im Süden wurden an der Heidebahn-Strecke bereits die Haltepunkte Hademstorf und Eickeloh aufgegeben, im Norden der Halt in Hemsen. Nun stehen auch die Haltepunkte Wintermoor, Büsenbachtal und Suerhop zur Disposition, was bei Pendlern, die überwiegend die Heidebahn nutzen, auf wenig Gegenliebe stößt. Weniger Haltepunkte bedeuten auch weniger Mitreisende, da dann eher auf das Auto ausgewichen wird bzw. man sich von Wintermoor aufmacht zum Metronom nach Tostedt bzw. bei den anderen Haltepunkten mit dem Auto nach Buchholz zum Metronom fahren wird. Dadurch fehlen die Fahrgäste auf der Heidebahn. Die Haltestelle Wintermoor hat auch Bedeutung für den Tourismus als Zubringer zum Naturschutzgebiet Lüneburger Heide.

Grundlage für die Investitionsentscheidungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro für die Heidebahn war die Beschleunigung und damit die Steigerung der Attraktivität. Diese Ziele können unter den oben genannten Voraussetzungen nicht erreicht werden. Eine weitere Attraktivitätssteigerung sollte durch die Einbeziehung in die Tarife des HVV und des Großraums Hannover erreicht werden.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Hat die Landesregierung bei der Vorstellung der Ausbaupläne für die Heidebahn in 2005 Kenntnis gehabt von dem zu geringen Gleisangebot im Hauptbahnhof Hannover, und welche Maßnahmen will die Landesregierung ergreifen, um die Ziele Beschleunigung und Attraktivitätssteigerung für die Heidebahn-Strecke doch noch zu erreichen?
  2. Wird die Landesregierung die geplante Schließung der Bahnhöfe Wintermoor, Büsenbachtal und Suerhop akzeptieren und wie soll eine ausreichende Platzkapazität in den Metronom-Zügen ab Buchholz für die aus der Heidebahn zusteigenden Fahrgäste erreicht werden?
  3. Vor dem Hintergrund der Erarbeitung eines Niedersachsentarifes: Wenn die neuen Fahrzeuge zur Verfügung stehen, wird es dann auch Tagestickets für den Hamburger Verkehrsverbund zwischen Soltau und Hamburg Hauptbahnhof und für den Großraum Hannover zwischen Soltau und Hannover Hauptbahnhof auf der Heidebahn geben, und mit welchen Durchtarifierungskosten zu wessen Lasten ist zu rechnen?

Verkehrsminister Jörg Bode beantwortete die Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:

Der Ausbau der Heidebahn (KBS 123 Buchholz – Soltau - Bennemühlen) von derzeit 80 km/h auf künftig 120 km/h soll in drei Abschnitten erfolgen. Die beiden Abschnitte zwischen Bennemühlen und Walsrode sowie Soltau und Buchholz werden Ende 2011 in Betrieb gehen. Bezüglich des mittleren Abschnitts steht die Landesregierung in intensiven Gesprächen mit der DB AG über die zu schließenden Planungs- und Finanzierungsverträge einschließlich des Zeitplans. Ziel der Landesregierung ist eine Fertigstellung des Abschnittes zwischen Walsrode und Soltau bis 2015.

Im Vorfeld zum Ausbau der Heidebahn wurde ein Musterfahrplan erstellt, der ausgehend von den geplanten infrastrukturellen Maßnahmen auf der Heidebahn den Nutzen des Ausbaus für den Kunden aufzeigt. Diesem Fahrplankonzept aus dem Jahr 2005 das vom Infrastrukturbetreiber DB Netz AG erarbeitet wurde, steht mit den verkehrlichen Zielen der LNVG, wie beispielsweise die Verkürzung der Fahrzeit, im Einklang.

Danach ergeben sich nach Ausbau der gesamten Strecke Reisezeiten

  • von Hannover nach Soltau von 69 Minuten (statt heute 90 Minuten)
  • von Soltau nach Buchholz von 41 Minuten (statt heute 52 Minuten).

Die Umsteige- bzw. Haltezeit in Soltau beträgt nach diesem Musterfahrplan 3 Minuten.

Dieses Fahrplankonzept wurde auf Grundlage der damaligen Randbedingungen erstellt. Schon im Jahr 2005 gab es nur zwei um jeweils 30 Minuten versetzte Zeitfenster im Hauptbahnhof in Hannover, in denen die Züge der Heidebahn beginnen und enden konnten. Grund hierfür war die dichte Belegung der Bahnsteige durch die Züge der S-Bahn Hannover und die eingeschränkte Wendemöglichkeit für die Züge der Heidebahn. So müssen die Züge der Heidebahn in Hannover zwischen Ankunft und Abfahrt im einzig zur Verfügung stehenden östlichen Wendegleis abgestellt werden. Dieses Wendegleis wird zeitgleich auch von den in Hannover endenden Zügen der S-Bahn Linie Bennemühlen – Hannover Hbf beansprucht.

Im Rahmen der Ausschreibung der Heidebahn musste dieser Musterfahrplan an die konkreten Rahmenbedingungen nach Ausbau des ersten und dritten Abschnitts Ende 2011 angepasst werden. Diese haben sich durch die Erweiterung der S-Bahn Hannover im Jahr 2008 verändert. Da die Züge der S-Bahn-Linie Bennemühlen – Hannover Hbf mit zwei Triebwagen verkehren, können in den Zeiten, in denen diese Züge in Hannover enden, die Züge der Heidebahn auf Grund der eingeschränkten Nutzlänge des Wendegleises nicht mehr wenden. Im Ergebnis müssen die Züge der Heidebahn nun das einzig verbleibende Zeitfenster nutzen und damit im Vergleich zum Musterfahrplan um 30 Minuten versetzt in Hannover abfahren bzw. ankommen.

Durch diese nachträgliche Verschiebung der Züge zwischen Hannover und Soltau um 30 Minuten ergeben sich längere Standzeiten in Soltau. Aus diesem Grund hat die LNVG eine weitere Variante entwickelt, die zwischen Soltau und Buchholz ebenfalls eine Verschiebung des Fahrplans um ca. 30 Minuten vorsieht. Die Züge würden dann in Buchholz Anschluss an den Metronom (regional) aufweisen. Voraussetzung für diese Variante wäre eine noch kürzere Fahrzeit als die ohnehin schon geplante verkürzte Fahrzeit von 41 Minuten nach Ausbau der Strecke. Dies wäre nur durch Auflassung der schwach nachgefragten Haltepunkte Suerhop, Büsenbachtal und Wintermoor möglich.

Diese Variante wurde mit den betroffenen Kommunen erörtert und dabei ein gemeinsames Vorgehen verabredet. Eine Schließung der Haltepunkte wird danach vorerst nicht weiterverfolgt. Im neuen Fahrplanjahr 2011 werden die drei Haltepunkte Wintermoor, Suerhop und Büsenbachtal also weiterhin bedient. Eine erneute Überprüfung erfolgt frühestens nach Fertigstellung aller Ausbauabschnitte der Heidebahn, d.h. 2015.

Unabhängig von der Wahl der Varianten wird sich die Reisezeit nach Ausbau der Strecke wie oben dargestellt um fast 25 % verkürzen. Durch den Einsatz neuer Fahrzeuge, der Führung aller Züge bis zum Hauptbahnhof in Hannover sowie einem Stundentakt über den ganzen Tag wird die Attraktivität des Angebots erheblich gesteigert. Die Erfahrungen bei vergleichbaren Projekten zeigen, dass ein solches Maßnahmenpaket zu einem erheblichen Fahrgastzuwachs führt.

Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1.:
Auf die Vorbemerkungen wird verwiesen. Beschleunigung und Attraktivitätssteigerung für die Heidebahn werden wie geplant durch die dargestellten Maßnahmen erreicht.

Zu 2.:
Das weitere Vorgehen bezüglich der Haltepunkte Wintermoor, Büsenbachtal und Suerhop ist wie dargestellt mit den Kommunen abgestimmt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2010 wird das neue Angebotskonzept des „Hanse-Netzes“ zwischen Bremen und Hamburg umgesetzt. Dieses sieht in der Relation Buchholz – Hamburg Hbf ein bis zu 50 % höheres Sitzplatzangebot in den Hauptverkehrszeiten vor. Damit kann auch die steigende Zahl der Fahrgäste der Heidebahn mit ausreichenden Platzkapazitäten rechnen.

Zu 3.:
Ungeachtet der neuen Fahrzeuge wird im Rahmen des Projektes Niedersachsentarif bei der Tarifgestaltung auch über Tageskarten nachgedacht. Mit Umsetzung des Tarifes soll auch der Vor- und Nachlauf in die Verbünde Hamburgs und Hannovers angeboten werden. Tagestickets für den Hamburger Verkehrsverbund zwischen Soltau und Hamburg Hauptbahnhof oder für den Großraum Hannover zwischen Soltau und Hannover Hauptbahnhof sind hingegen aktuell nicht im Gespräch. Über Durchtarifierungskosten kann gegenwärtig noch keine Aussage getroffen werden, da das Fahrkartensortiment noch nicht abschließend abgestimmt worden ist.

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07.10.2010

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