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Fahrradland Niedersachsen-Bremen: Fachtagung in Lüneburg

Vier Kommunen und RV Großraum Braunschweig erhalten Auszeichnung


Emden, Göttingen, Nordhorn und Hemmingen haben heute in Lüneburg die Zertifizierung „Fahrradfreundliche Kommune“ erhalten. Außerdem darf sich der Regionalverband Großraum Braunschweig seit heute als „Impulsgeber Fahrradmobilität“ bezeichnen. Dr. Christoph Wilk, Abteilungsleiter im Verkehrsministerium, sagte bei der Verleihung: „Wir wollen mit der Zertifizierung Kommunen und Regionen anspornen, mehr für den Radverkehr zu tun. Immer mehr Bürger nutzen das Rad, mit und ohne elektrische Unterstützung, im Alltag. Deshalb gewinnt ein gut ausgebautes Radwegenetz zunehmend an Bedeutung, gerade auch für die Mobilität im ländlichen Raum.“

Rund 200 Vertreter von Vereinen und Verbänden, fahrradfreundlichen Kommunen, Landes- und Kommunalpolitikern kommen in diesem Jahr in Lüneburg zusammen. Seit 2016 steht die Verleihung der Auszeichnungen im Mittelpunkt der jährlichen Fachtagung Fahrradland Niedersachsen-Bremen. Veranstalter der jährlichen Fachtagung sind das niedersächsische Verkehrsministerium und der Verkehrssenat Bremen, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen e.V.

Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen steigt in Niedersachsen seit Jahren an. Mit ca. 15 Prozent (2017 Studie des Bundes zur Mobilität in Deutschland) liegt Niedersachsen gemeinsam mit Hamburg auf Platz 2 im Ländervergleich. Das Verkehrsministerium erarbeitet derzeit ein Fahrrad-Mobilitätskonzept, welches 2020 vorgestellt werden soll und bestehende Pläne und Konzepte für den Radwegebau integrieren soll.

Zur Erleichterung des Radwegebaus hat Verkehrsminister Althusmann vergangene Woche eine Gesetzesnovelle zum Straßenrecht auf den Weg gebracht. Sie schafft unter anderem Regelungen für den Bau von Radwegen als eigenständige Verkehrswege. Solche eigenständigen Radwege können damit unabhängig von Straßen geplant werden. Das dient der Wahrnehmung des Radverkehrs als gleichwertige Verkehrsart. Künftig können die Vorhabenträger hierfür Planfeststellungsverfahren durchführen und dafür Kooperationsvereinbarungen abschließen, um z.B. kreis- oder gemeindeübergreifende Vorhaben aus einer Hand zu planen.

Hintergrund

Die Zahl der ausgezeichneten Kommunen steigt mit der heutigen Verleihung auf insgesamt 13. Die Zertifizierung gilt für jeweils fünf Jahre und muss danach erneut beantragt werden.

Niedersachsen hat insgesamt knapp 13.800 km Radwege. Die meisten befinden sich in Kommunen, gefolgt von Radwegen an Landstraßen. Für touristische Zwecke gibt es bereits 40 Radrouten und zwei Mountainbike-Wegenetze. Außerdem existieren bereits zwei Radschnellwege (Göttingen, Osnabrück). In den Ballungsräumen Wolfsburg/Braunschweig/Salzgitter, Göttingen, Hannover, Osnabrück sowie im Hamburger und Bremer Umland sind weitere Projekte in Planung.


Aus den Urteilen der Jury:

Regionalverband Großraum Braunschweig als Impulsgeber Fahrradmobilität

Die Jury beeindruckte die breite Verankerung der Radverkehrsförderung, die vom Regionalverband Großraum Braunschweig als Querschnittsaufgabe verstanden wird. Als wichtige Maßnahmen werden die Erstellung der übergeordneten Konzepte, die sehr gute Vernetzung durch die verschiedenen Gremien, das Radportal und die vielfältigen Beratungsleistungen gesehen. Aktuell sind die geplanten Rahmenvereinbarungen, das 1.000-Bügel-Programm und die Radschnellverbindungen als wichtige Aufgaben benannt und werden von der Jury besonders gewürdigt.

Stadt Emden als Fahrradfreundliche Kommune

Die Jury beeindruckte die Selbstverständlichkeit, mit der in Emden – unabhängig vom Alter – Rad gefahren wird. Dies spiegelt sich auch in dem hohen Radverkehrsanteil wider. Hierin zeigen sich Erfolge der intensiven Radverkehrsförderung, wie sie in Emden zu verzeichnen war.

Stadt Göttingen als Fahrradfreundliche Kommune

Die Jury beeindruckte das Selbstverständnis, mit dem die Radverkehrsförderung in Göttingen erfolgt. Neben immer wieder neuen ambitionierten Vorhaben wie dem Radschnellweg oder der kostenfreien Fahrradmitnahme in Bussen wird an der Verbesserung der Bestandssituation gearbeitet. Darüber hinaus erhalten die Pendlerverflechtungen zunehmend mehr Beachtung, um auch den Berufspendlerinnen und -pendlern eine Alternative zur Autonutzung anzubieten.

Zur Umsetzung dieser Vorhaben wurden die zur Verfügung stehenden Finanzmittel zur Förderung des Radverkehrs in Göttingen über die vergangenen Jahre deutlich erhöht und die personellen Ressourcen erweitert.

Stadt Hemmingen als Fahrradfreundliche Kommune

Die Jury beeindruckte das besonders gute Zusammenspiel der Akteure. Sowohl innerhalb der Verwaltung als auch mit der Politik, den Verbänden, der Region Hannover und den Nachbarkommunen wird eng und konstruktiv zusammengearbeitet. Ein gelungenes Kooperationsprojekt ist die Selbsthilfewerkstatt des ADFC Hemmingen. Als integriertes Projekt bietet sie sowohl Geflüchteten als auch sozial benachteiligten Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten, kostengünstig ein Fahrrad zu erwerben oder unter fachkundiger Anleitung zu reparieren.

Stadt Nordhorn als Fahrradfreundliche Kommune

Die Jury beeindruckte, dass der Radverkehr im Zuge des Verwaltungshandelns und bei den politischen Entscheidungen als gleichberechtigtes Verkehrsmittel berücksichtigt wird. Die Umsetzung der Maßnahmen folgt einer Gesamtstrategie, bei der alle Beteiligten zusammenarbeiten. Beispielhaft kann hierfür das Vorgehen zur Erschließung von Wohngebieten nach niederländischem Vorbild genannt werden, bei dem für den Radverkehr direkte, kurze Verbindungen geschaffen werden. Damit sind viele Ziele per Fahrrad schneller zu erreichen. Aber auch der Ausbau des Komfortradweges mit den geschaffenen Bevorrechtigungen steht für diese Gesamtstrategie. Diese konsequente Radverkehrsförderung zeigt sich im Stadtbild und im positiven Fahrradklima, das in der Stadt spürbar ist.


Artikel-Informationen

25.09.2019

Ansprechpartner/in:
Pressesprecher Dr. Eike Frenzel, Pressesprecherin Annette Schütz

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