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Green Deal-Auswirkungen auf Industriestandort Deutschland nicht aus dem Auge verlieren

Althusmann: EU muss Rahmenbedingungen für CO2-arme Produktionstechnologien verbessern


Im Vorfeld der Präsentation des „Green Deal“ von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann nachdrücklich, die Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland nicht aus dem Auge zu verlieren und die Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz CO2-armer Produktionstechnologien in Europa vor allem für Schlüsselindustrien wirksam zu verbessern.

Althusmann: „Ein klimaneutrales Europa bedeutet für Länder wie Deutschland nicht weniger als eine industrielle Revolution. Damit sie beherrschbar bleibt, kann sie nur gemeinsam mit allen Ländern umgesetzt werden. Nur so sind die erwartbaren Auswirkungen auf Arbeitsplätze und unseren Alltag ohne Verwerfungen zu meistern. Gerade das Beispiel Niedersachsen zeigt, dass die deutschen Industriestandorte für eine klimafreundliche CO2-Gesamtbilanz mehr benötigen, als den Ausbau erneuerbarer Energien: Fast jeder zweite Arbeitsplatz in unserem Land ist direkt oder indirekt mit der Automobilindustrie verbunden. Wenn wir auch zukünftig unsere Position als starker Industriestandort bei gleichzeitiger Klimaneutralität behalten wollen, müssen wir die ganze Wertschöpfungskette in den Blick nehmen, also den gesamten CO2-Lebenszyklusansatz bei Kraftfahrzeugen wie auch die Dekarbonisierung der Grundmaterialien Stahl, Aluminium und Kunststoff.“

Nach Ansicht Althusmanns sollte der Einsatz CO2-arm produzierter Grundwerkstoffe wie Stahl und Aluminium als Ökoinnovation im Sinne der EU-Pkw-Emissionsrichtlinie angerechnet werden. Auf die energieintensiven Unternehmen kämen enorme Transformationskosten zu. Die flächendeckende Umstellung auf CO2-arme Herstellungsprozesse werde allein bei den niedersächsischen Grundstoffindustrien bis 2050 Milliardensummen verschlingen.

Althusmann: „Unsere Industrie steht vor einer historischen Neuausrichtung. Um klimaneutral zu werden, benötigen allein die Stahl- und Chemieindustrie mehr als das Dreifache der heutigen Stromkapazitäten aus erneuerbaren Quellen. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir beim Strom- und Gasnetzausbau schneller werden. Wir müssen aber vor allem den vielversprechenden Überlegungen für innovative, klimaschonende Produktionstechnologien bessere Rahmenbedingungen schaffen.“

Als ein Beispiel dafür verweist Althusmann auf das umsetzungsreife Projekt „Salcos“ der niedersächsischen Salzgitter AG. Der Stahlhersteller will die rund 8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr durch den Einsatz von grünem Wasserstoff um bis zu 95 Prozent absenken. „Die neue EU-Kommission sollte innovative Dekarbonisierungsprojekte wie das der Salzgitter AG intensiver als bisher auf ihre Realisierbarkeit prüfen und geeignete Anreize für die Verwendung ‚grünen Stahls‘ setzen. Das könnte Modellcharakter für die EU und für Deutschland haben und zum Erreichen der übergeordneten EU-Klimaziele beitragen“, fordert der Minister. Althusmann appellierte auch an die Bundesregierung, dass sie in Vorbereitung ihrer im zweiten Halbjahr 2020 anstehenden EU-Ratspräsidentschaft und in enger Koordination mit den einzubeziehenden Bundesministerien eine entsprechende Initiative gegenüber Brüssel für die Grundstoffindustrien ergreife.


Artikel-Informationen

10.12.2019

Ansprechpartner/in:
Pressesprecher Dr. Eike Frenzel, Pressesprecherin Annette Schütz, Pressesprecherin Laura Gosciejewicz

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