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Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Flughafen Hannover-Langenhagen?

Die Abgeordneten Ernst-Ingolf Angermann, Karl-Heinz Bley, Rainer Fredermann, Karsten Heineking, Gerda Hövel, Axel Miesner, Klaus Krumfuß und Dirk Toepffer (CDU) hatten gefragt:

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Flughafen Hannover-Langenhagen?

Der Flughafen Hannover-Langenhagen ist der größte Flughafen in Niedersachsen und gehört - gemessen an den Passagierzahlen - zu den zehn größten Verkehrsflughäfen in Deutschland. Sein Einzugsgebiet reicht vom Bremer Umland bis Nordhessen. In diesem Zusammenhang steht er in wirtschaftlicher Konkurrenz beispielsweise zu den Flughäfen in Bremen, Hamburg, Münster-Osnabrück oder dem jüngst eröffneten Flughafen Kassel-Calden. Anders als andere Flughäfen kommt der Flughafen Hannover ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand bzw. seiner Gesellschafter aus. Im Jahr 2012 konnten zudem mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme des Air Cargo Terminals, der Inbetriebnahme eines Road Hub von TNT im Airport Business Park West und der Inbetriebnahme der Nachtluftpoststelle der Deutschen Post mehrere Investitionsvorhaben abgeschlossen werden.

In der Koalitionsvereinbarung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen vom 19. Februar 2013 wurde für den Flughafen Hannover-Langenhagen angekündigt: „Geplant ist, deutlich stärker nach Lärm und Abgas gestaffelte Start- und Landegebühren zu erheben und eine restriktive Aufsicht sicherzustellen, um für die strikte Einhaltung der Nachtflugbeschränkungen und der nächtlichen Lärmgrenzwerte zu sorgen.“ Weiter heißt es: „Die rot-grüne Koalition kündigt deshalb Bundesratsinitiativen zur verursachergerechten Besteuerung des Flugverkehrs und zur Überarbeitung des Fluglärmgesetzes an“ (Seite 65).

Wir fragen die Landesregierung:

  1. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Flughafen Hannover-Langenhagen aus Sicht der Landesregierung, und wie würde sich die wirtschaftliche Situation durch ein Nachtflugverbot aus Sicht der Landesregierung verändern?
  2. Wie haben sich die Flugbewegungen, die Fluggastzahlen und der Anteil der Nachtflüge am gesamten Flugverkehr seit 1991 entwickelt?
  3. Beabsichtigt die Landesregierung, in die bestehende Betriebsgenehmigung des Flughafens Hannover-Langenhagen in Bezug auf den Nachtflugverkehr einzugreifen?


Der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Olaf Lies beantwortete die Anfrage namens der Landesregierung wie folgt:

Die 60 Jahre Hannover-Langenhagen stehen für eine stetige Erfolgsgeschichte in Zeiten einer globalisierten Welt. Der Hannover Airport hat sich zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren und Betriebsstätten nicht nur für die Landeshauptstadt Hannover, sondern auch für die Region und das gesamte Land Niedersachsen entwickelt. An 365 Tagen im Jahr sorgen mehr als 8.000 Menschen für einen reibungslosen Ablauf der Geschäfte am Flughafen. Die Zahl der Arbeitskräfte ist seit dem Jahr 2000 um ca. 2.600 gestiegen. Jedes Vollzeitbeschäftigungsverhältnis am Hannover Airport zieht zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse nach sich, konkret sind es rund 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze in ganz Niedersachsen und sogar 22.000 zusätzliche Einkommen bundesweit. Der internationale Verkehrsflughafen Hannover-Langenhagen gewährleistet als Teil des dezentralen deutschen Flughafensystems die Einbindung der Bevölkerung und der Wirtschaft des gesamten Landes in das internationale Luftverkehrsnetz. Im Hinblick auf seine Verkehrs-, Standort- und Wirtschaftsfunktion ist der Flughafen Hannover-Langenhagen ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge für das Land Niedersachsen. Die weltgrößte Computermesse CeBIT, die Hannover Messe Industrie sowie viele weitere nationale und internationale Messen und Ausstellungen wären ohne den Flughafen nicht denkbar. Das zentrale Ziel des Flughafens ist eine den Wirtschaftsstandort Niedersachsen sowie die regionale Entwicklung um die Landeshauptstadt Hannover begünstigende Förderung der verkehrstechnischen Anbindung. Diese Zielvorstellung kann nur durch Transparenz und Berücksichtigung der berechtigten Interessen der Anwohner an Wohn- und Lebensqualität und dem wirtschaftliche Interesse des Flughafens an möglichst uneingeschränktem Flugbetrieb erreicht werden.
Der Flughafenbetreiber (FHG), die Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH, hat in der Vergangenheit in regelmäßigen Abständen die volkswirtschaftliche Bedeutung des Hannover-Airports untersuchen lassen (zuletzt mit dem Gutachten von Prof. Dr. Hübl im Dezember 2008).

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt:

Zu 1.:
Zur wirtschaftlichen Bedeutung s. a. Vorbemerkungen.
Etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Gesamtumsatzes der FHG fällt auf die Nachtzeit. In Anbetracht des hohen Fixkostenanteils beim Betrieb des Flughafens liefern die mit dem Nachtflug einhergehenden Umsätze Deckungskostenbeiträge, die zu einem wirtschaftlicheren Betrieb des Flughafens Hannover beitragen. Vor diesem Hintergrund ist der Nachtflug für die FHG nicht unerheblich, um die anfallenden Fixkosten selbst tragen zu können. Bei einem reinen Tagesbetrieb könnten die nötigen Umsätze nicht mehr erreicht werden. Ohne Nachtflug käme es zudem zu einem Verkehrsrückgang, der sich auch auf das Tagflugangebot auswirken würde und mit insgesamt etwa einem Viertel der Fluggastzahlen zu veranschlagen wäre (vgl. Gutachten von Prof. Dr. Hübl im Dezember 2008). Ein solcher Verlust an Fluggästen würde sich auf die gesamte Wertschöpfungskette des Flugbetriebs und damit weit über den Flughafen hinaus auswirken. Am Airport sichert der Nachtflug allein deutlich mehr als 1.000 Arbeitsplätze und in der Region zusätzlich weitere circa 1.000 Arbeitsplätze, insgesamt also weit über 2.000 Arbeitsplätze in Hannover und der Region und stellt damit die Wirtschaftlichkeit des Flughafens sicher.

Zu 2.:
Im Folgenden sind die Fluggastzahlen, die Gesamtflugbewegungen, die Summe der Nachtflugbewegungen und der prozentuale Anteil der Nachtflugbewegungen an den Gesamtflugbewegungen im zivilen Gesamtverkehr dargestellt. Sämtliche Kennzahlen zu den Nachtflugbewegungen beziehen sich auf die Zeitspanne von 22:00 Uhr bis 05:59 Uhr.

Jahr

Fluggäste
Gesamt

Flugbewegungen
Gesamt

Flugbewegungen
Nacht

Anteil Flugbewegungen
Nacht an Gesamt

1991

2.892.777

94.622

6.022

6,4

1992

3.090.835

96.936

5.993

6,2

1993

3.440.427

97.338

6.300

6,5

1994

3.901.895

98.574

6.652

6,7

1995

4.270.832

95.413

7.507

7,9

1996

4.420.902

90.283

8.023

8,9

1997

4.782.028

92.597

8.095

8,7

1998

4.829.147

88.652

8.801

9,9

1999

5.097.924

94.711

9.729

10,3

2000

5.530.254

102.168

11.051

10,8

2001

5.157.550

89.908

9.568

10,6

2002

4.751.909

85.641

8.925

10,4

2003

5.044.840

86.449

9.957

11,5

2004

5.249.176

85.459

10.713

12,5

2005

5.637.391

88.935

10.937

12,3

2006

5.699.322

87.872

11.120

12,7

2007

5.644.746

88.352

11.958

13,5

2008

5.637.965

86.798

11.603

13,4

2009

4.969.800

77.737

10.026

12,9

2010

5.060.956

75.833

10.196

13,4

2011

5.341.017

80.730

10.811

13,4

2012

5.288.327

80.139

11.182

14,0

Zu 3.:
Nein

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Artikel-Informationen

30.05.2013

Ansprechpartner/in:
Herr Stefan Wittke

Nds. Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung
Pressesprecher
Friedrichswall 1
30159 Hannover
Tel: (0511) 120-5427
Fax: (0511) 120-995427

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