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Fachkräfteinitiative: Landesregierung stellt Aktionsplan 2020 vor

Die Niedersächsische Landesregierung hat heute beim Spitzentreffen der Fachkräfteinitiative den Aktionsplan 2020 vorgestellt. Der vom Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Kultusministerium, dem Sozialministerium und dem Wissenschaftsministerium erarbeitete 35-seitige Plan bietet einen umfassenden Überblick über die realisierten und begonnenen Aktivitäten der Ressorts zur Fachkräftesicherung im zurückliegenden Jahr. Daneben gibt er eine Kurzübersicht über die Vorhaben, die die Niedersächsische Landesregierung künftig angehen möchte.

Die Teilnehmer des Spitzentreffens der Fachkräfteinitiative sind sich einig: Zwar sehen aktuell viele Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr den Fachkräftemangel, sondern die gesunkene Nachfrage aus dem In- und Ausland als größtes Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung. Dennoch darf die Fachkräftesicherung als bedeutendes Handlungsfeld der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik nicht aus dem Blick geraten. Sie ist und bleibt eine der großen bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen der Zukunft. Niedersachsen braucht auch nach der Corona-Krise gut ausgebildete Fachkräfte.

Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Bernd Althusmann: „Viele Unternehmen – insbesondere in der Pflege- oder der IT-Branche – suchen nach wie vor qualifizierte Fachkräfte. Und auch in anderen Branchen wird die Fachkräftelücke nach Überwindung der Krise sehr schnell wieder spürbar werden. Die zu erwartende demografische Entwicklung bleibt eine Konstante, die den Arbeitsmarkt weiterhin maßgeblich beeinflussen wird. Dazu kommt die digitale und ökologische Transformation. Diese Trends werden einen zunehmenden Fachkräftebedarf verursachen. Wir müssen bei der Fachkräftesicherung daher weiter am Ball bleiben! Sie ist eine zentrale, dauerhafte Aufgabe der Landesregierung.“

Sozialministerin Carola Reimann: „Die Pandemie hat uns einmal mehr die Wichtigkeit der Pflegeberufe aufgezeigt. Mit der ‚Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen‘ (KAP.Ni) setzt sich das Land dafür ein, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Ein wichtiges Element ist hier das Thema Vergütung. Mit der Novelle des Niedersächsischen Pflegegesetzes, die voraussichtlich 2021 verabschiedet wird, werden wir uns noch stärker für eine tarifgerechte Entlohnung der Pflegekräfte einsetzen. Dazu wird beispielsweise die Förderung der Investitionskosten an eine tarifliche Entlohnung der Pflegekräfte geknüpft.“

Kulturminister Björn Thümler: „Die niedersächsischen Hochschulen leisten auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten einen essentiellen Beitrag zur Sicherung der Ausbildung von akademisch qualifizierten Fach- und Führungskräften für das Land. Deshalb freue ich mich, dass wir neben der Bereitstellung von 50 unbefristeten Digitalisierungsprofessuren an unseren Hochschulen auch in den akademischen Gesundheitsberufen Medizin, Hebammenwissenschaft und Psychotherapie zusätzliche Studienplätze nach den neuen bundesgesetzlichen Anforderungen aufbauen. Dies ist zusammen mit den 40 neuen Medizinstudienplätzen in Oldenburg, den 90 an der MHH und den 60 an der UMG ein wichtiger Schritt für die weitere Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Niedersachsen.“

Kernthemen des Aktionsplans 2020 sind drei strategisch bedeutsame Schwerpunktfelder:

  1. Mobilisierung inländischer Erwerbspersonenpotentiale: Hier geht es z. B. um gute Arbeitsbedingungen, die Bedeutung von Arbeitgeberattraktivität, die Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie die verbesserte Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen. Geplant sind u. a. Veranstaltungen, ein Handlungskonzept zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie die Fokussierung im SGB II auf die gleichberechtigte Förderung und Integration von Frauen und Männern und den Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit.
  2. Gesteuerte und qualifizierte Zuwanderung sowie Arbeitsmarktintegration aller Gruppen von Menschen mit Migrationsgeschichte: Gearbeitet wird u. a. an der Gewinnung qualifizierter internationaler Fachkräfte sowie der Optimierung bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Vorgesehen sind beispielsweise Förderprojekte zur Unterstützung der Unternehmen bei Gewinnung und Integration internationaler Zuwandernder über das neue Förderprogramm „Start Guides“.
  3. Erweiterung von Bildungspotentialen: Hierzu gehören z. B. die Stärkung dualer Berufsausbildung und beruflicher Orientierung, Maßnahmen zur Ausbildungssicherung in der Corona-Pandemie, Digitalisierung sowie verbesserte Fördermöglichkeiten im Bereich beruflicher Weiterbildung und Qualifizierung. Zu den kommenden Maßnahmen zählen beispielsweise die fortgesetzten Aktivitäten des „Bündnisses Duale Berufsausbildung“ sowie die Erarbeitung weiterer Maßnahmen im „Strategiedialog Automobilwirtschaft“, u. a. im Bereich Arbeit und Qualifizierung, um die Stärke des Automobilstandortes Niedersachsen zu erhalten und auszubauen.

In diesem Jahr sind in den einzelnen Kapiteln auch Maßnahmen einbezogen, die vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie initiiert worden sind.

Neben den Schwerpunktfeldern werden in einem gesonderten Teil des Aktionsplans branchen- und berufsspezifische Initiativen berücksichtigt. Dabei geht es um die Berufsfelder der IT-Fachleute, Erziehungsberufe und Gesundheitsberufe, in denen besondere Fachkräftebedarfe bestehen.

Beispiele für Maßnahmen des Wirtschaftsministeriums:

  • Im August ist das novellierte Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz in Kraft getreten, für das Bund und Land in Niedersachsen in diesem Jahr rund 43 Millionen Euro bereitstellen. Und diese Summe wird voraussichtlich um weitere rund 25 Millionen Euro übertroffen, da die Antragszahlen bereits deutlich angestiegen sind. Daneben wurde im Juli die „Niedersächsische Weiterbildungsprämie“ in Höhe von 1.000 Euro für die Meister außerhalb des Handwerks eingeführt. Sie ergänzt die bis ins Jahr 2023 verlängerte erfolgreiche niedersächsische Meisterprämie für das Handwerk.
  • Auch bei der Initiative „Zug um Zug zum Lokführer“ zeichnet sich ein positiver Trend durch das Engagement in Niedersachsen ab. Inzwischen lassen sich 75 Prozent mehr Menschen zum Lokführer weiterbilden.
  • Über die neue Förderrichtlinie „Start Guides“ steht ein Budget von drei Millionen Euro bereit. Die „Start Guides“ sollen Zugewanderte mit und ohne Fluchthintergrund sowie Unternehmen bei der betrieblichen Integration unterstützen und Hilfestellungen anbieten. Ab Januar 2021 können landesweit voraussichtlich 20 bis 25 neue Projekte beginnen.
  • Das Förderprogramm Digitalbonus wurde in der Corona-Pandemie angepasst und um 15 Millionen Euro auf insgesamt 30 Millionen Euro aufgestockt. Da die Pandemie die Digitalisierungsaktivitäten der Unternehmen stark beschleunigt hat und die Nachfrage nach dem Programm weiter steigt, wurde eine weitere Aufstockung um zusätzliche 20 Mio. Euro für die Wirtschaft auf den Weg gebracht.

Hintergrund:

Die Fachkräfteinitiative wurde im Jahr 2014 von der Niedersächsischen Landesregierung gemeinsam mit Arbeitsmarktpartnern (u. a. Arbeitsmarktakteure wie Kammern, Verbände, Gewerkschaften, der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit) ins Leben gerufen. Seit Neuausrichtung im Jahr 2018 werden jährliche Aktionspläne erstellt, in denen die für die Fachkräftesicherung relevanten strategischen Vorhaben und Aktivitäten zusammengeführt werden. Einmal jährlich findet ein Spitzentreffen aller Akteure der Fachkräfteinitiative Niedersachsen statt.

Der Aktionsplan 2020 sowie weitere Informationen zur Fachkräfteinitiative Niedersachsen sind abrufbar unter: https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/themen/arbeit/fachkraftesicherung/fachkrafteinitiative/www-fachkraefteinitiative-niedersachsen-de-122524.html.


Artikel-Informationen

erstellt am:
27.10.2020

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