Niedersachen klar Logo

Wirtschaftspolitik

Nach einer 10 Jahre andauernden stabilen Wachstumsphase erlebte auch die niedersächsische Wirtschaft in Folge der Corona-Pandemie einen beispiellosen Einbruch und eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegsgeschichte. In nahezu allen Branchen mussten gravierende Auftrags- und Umsatzeinbrüche verkraftet werden. Die niedersächsische Wirtschaft ist dadurch im Jahr 2020 um real 4,9 % gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Die Entwicklung lag damit im Bundesdurchschnitt und leicht oberhalb des westdeutschen Durchschnitts (-5,0 % einschl. Berlin).

Gegen den Trend wuchs 2020 das Baugewerbe in Niedersachsen mit real 4,2 % deutlich. Einen gravierenden Rückgang um real 12,6 % erlebte das Verarbeitende Gewerbe. Deutlich getroffen war auch der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit einem realen Rückgang der Bruttowertschöpfung um 5,3 %.

Nach der katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklung 2020, zeichnete sich im Frühjahr des Jahres 2021 – zunächst im Verarbeitenden Gewerbe und mit zunehmenden Lockerungen der Beschränkungen nun auch wieder im Handel und Gastgewerbe - eine konjunkturelle Belebung ab. Für Deutschland erwartet die EU-Kommission in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3,6 % und für das Jahr 2022 wird ein Wachstum von 4,6 % erwartet.

Die derzeitige Erholung setzt sich auch am deutschen Arbeitsmarkt fort. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind gegenüber dem Vorjahr weiter kräftig gesunken. Die Unternehmen reduzieren weiter die Kurzarbeit und suchen wieder mehr nach neuem Personal. Dieser bundesdeutsche Trend auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich auch in Niedersachsen. Die Arbeitslosenquote liegt in Niedersachsen im Juni bei 5,5 %, ein Minus von 0,5 Prozentpunkten gegenüber Juni 2020.

Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Pandemie und Virus-Mutanten beherrschbar sind.

Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene wurden umfassende Konjunktur- und Zukunftspakete beschlossen, welche Anreize für Investitionen setzen, der digitalen und ökologischen Transformation der Wirtschaft einen Schub geben und die Kommunen stützen sollen. Informationen des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung zu den Unterstützungsleistungen im Rahmen der Covid 19-Pandemie finden Sie hier.

Niedersachsen ist mit seinem Mix aus traditionsreichen Unternehmen, einem starken Mittelstand und Hidden Champions ein gut aufgestellter und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort. Um diese Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und den Strukturwandel zu gestalten, setzt die Landesregierung zahlreiche wirtschaftspolitische Impulse. Einige davon seien an dieser Stelle beispielhaft genannt.

Die Automobilwirtschaft ist mit Abstand die wichtigste Industriebranche und Mobilität eines der zentralen Zukunftsthemen des Landes. So haben die Niedersächsische Landesregierung (Staatskanzlei und Ministerium für Arbeit, Wirtschaft, Verkehr und Digitalisierung), die IG Metall und der Verband der Metallindustriellen Niedersachsen zur Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilwirtschaft den Strategiedialog Automobilwirtschaft initiiert.

Der von der Niedersächsischen Landesregierung beschlossene „Masterplan Digitalisierung“ hat zum Ziel, Niedersachsen fit für die digitale Zukunft zu machen. Bis 2022 werden dazu bis zu eine Milliarde Euro eingesetzt. Mit dem Geld fördert Niedersachsen Investitionen in die digitale Infrastruktur – Breitband, Mobilfunk, öffentliches WLAN – und Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Bildung. Darüber hinaus unterstützt die Landesregierung den Mittelstand und das Handwerk, passende Digitalisierungsansätze zu identifizieren und umzusetzen. Weitere Informationen zum Masterplan Digitalisierung finden Sie hier.

Hohe bürokratische Lasten, die sich vielfach aus EU-, Bundes- und Landesrecht ergeben, sind ökonomisch relevant und haben monetär darstellbare negative Folgen. Die Landesregierung hat sich daher in ihrem Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, neue Bürokratielasten zu vermeiden. Mit der im Juli 2020 bei der IHK Niedersachsen eingerichteten Clearingstelle des Landes Niedersachsen sollen bürokratische Entlastungen für den Mittelstand schon im Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren geprüft werden. Sie ist eine unabhängige und weisungsfreie Einrichtung. Auf Wunsch der am Gesetzgebungsprozess beteiligten Stellen kann die Clearingstelle zudem zu sonstigen rechtlichen Fragestellungen, die eine erhebliche Mittelstandsrelevanz ausweisen, beratend tätig werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Um die Gründungskultur in Niedersachsen zu beleben, fördert das Land im Rahmen einer Start-up-Initiative seit Beginn des Jahres 2020 mittlerweile zehn Start-up-Zentren an acht Standorten im Land und schafft damit neue Angebote für technologieorientierte Gründungen. Zudem erleichtern wir mit einem Gründungsstipendium (bis zu 2.000 Euro/Monat für acht Monate) den Weg in die Selbständigkeit, so dass sich Gründerinnen und Gründer in der Startphase voll auf ihr neues Projekt konzentrieren können.

Die niedersächsische Landesregierung richtet aktuell einen Öffentlich-Privaten Wachstumsfonds für Startups ein. Der NVenture Fonds soll mit insgesamt 100 Millionen Euro ausgestattet werden und richtet sich an Startups in der Wachstumsphase, die einen Kapitalbedarf im siebenstelligen Bereich haben. Der Fonds ergänzt das Wagnis-Kapital-Programm NSeed, mit dem Startups in der Gründungsphase bis zu 600.000 Euro erhalten können. Um durch Vorbilder Interesse für weitere Gründungen zu wecken, wird das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit anderen Partnern am 1. Dezember 2020 wiederholt den DurchSTARTer-Preis an erfolgreiche und innovative Start-ups vergeben.

Weil der Meisterbrief Zugangsvoraussetzung zur selbstständigen Handwerksausübung in den zulassungspflichtigen Gewerken ist und die Anzahl der Meisterabsolventinnen und –absolventen in den vergangenen Jahren rückläufig war, haben wir eine Meisteroffensive gestartet. Mit ihr wird ein gezielter Anreiz geschaffen, dass sich die Nachwuchskräfte des Handwerks fortbilden und ihre eigene Qualifikation stärken. Mit der „Gründungsprämie für das Handwerk“ können Existenzgründer und Nachfolger im Handwerk eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro bei der NBank beantragen.


Artikel-Informationen

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln